Viele mittelständische Unternehmen stehen heute vor der Frage, welches Sicherheitsniveau wirklich notwendig und welches SOC-Modell (Security Operations Center) sinnvoll und auch finanzierbar ist.
Im ersten Teil der Serie „Wie sind Sie krankenversichert? Zwischen Basisabsicherung und Premium-Police – das richtige SOC finden.“ haben wir gezeigt, warum viele Unternehmen heute mehr als eine Basisversion eines Security Operations Centers (SOC) benötigen. Teil 2 „Wie ein Best Practice SOC funktioniert – Architektur eines integrierten Sicherheitskonzepts für digitale Gesundheit“ hat erläutert, welche Prinzipien ein Best Practice SOC verfolgen sollte und worauf es in der Architektur ankommt.
Zu Teil 1: Zwischen Basisabsicherung und Premium-Police – das richtige SOC finden.
Zu Teil 2: Wie ein Best Practice SOC funktioniert
Nun wenden wir uns der praktischen Frage zu: Welches SOC-Modell passt zu Ihrer Unternehmensrealität?
Welches SOC passt zu welchem Unternehmen?
Starten Sie mit sechs zentralen Fragen.
Die Wahl des passenden SOC-Setups hängt weniger vom Budget ab, sondern vielmehr von den individuellen Anforderungen, Risiken und vorhandenen Ressourcen des Unternehmens. Für eine pragmatische erste Einordnung reicht die Betrachtung sechs zentraler Fragen.
Mehr dazu finden Sie in unserer Checkliste »Welches SOC-Modell passt zu Ihrer Umgebung?«.
Drei SOC-Modelle – unsere praxisorientierte Einordnung
Nicht jede Organisation braucht dieselbe Tiefe, dieselben Funktionen oder denselben Integrationsgrad – aber jede braucht den richtigen Schutz für ihre Angriffsfläche und spezifische Risikolage. Der folgende Überblick richtet sich bewusst an typische Anforderungen mittelständischer Unternehmen.
Ein Basis-SOC eignet sich besonders für kleine Unternehmen mit klaren On-Prem-Umgebungen, Unternehmen mit homogener IT-Umgebung, geringem Cloud-Anteil bzw. wenig Hybridinfrastruktur und überschaubaren Compliance-Anforderungen (z.B. kein KRITIS). Es sollte eine solide Grundüberwachung bieten:
- Endpoint Detection & Response (EDR)
- Überwachung der wichtigsten Logquellen wie Active Directory, Firewall, Endpoint-Telemetrie
- Standardisierte Triage, Alerts und definierte Reaktionswege (Playbooks)
Gut geeignet für Unternehmen, die hauptsächlich reaktive Grundüberwachung benötigen.
Sobald Cloud-Strukturen, externe Systeme oder kritische Anwendungen hinzukommen, reicht Basis-Monitoring nicht mehr aus. Es empfiehlt sich ein modular erweitertes SOC für passgenaue Absicherung:
- Extended Detection & Response (XDR) mit erweiterter Telemetrie
- Integration weiterer relevanter Logquellen (z.B. Cloud-Dienste, OT-Komponenten)
- Korrelierte, risikoorientierte Auswertung und Priorisierung von Alerts
- Gezieltes Schwachstellenmanagement für geschäftskritische Anwendungen
Dieses Modell vermeidet Überdimensionierung, adressiert aber gezielt die wichtigsten spezifischen Risiken.
Typisches Einsatzprofil: Unternehmen mit hybrider IT, mehreren Standorten, geschäftskritischen Anwendungen, Produktions-/OT-Anteil oder erhöhten Compliance-Anforderungen.
Für komplexe oder hochregulierte Unternehmen (z.B. KRITIS) ist ein vollintegriertes SOC sinnvoll und sollte folgendes umfassen:
- Extended Detection & Response (XDR) mit erweiterter Telemetrie
- Integration aller risikobasiert relevanten Logquellen
- Konsolidierendes zentrales SIEM (Security Information and Event Management)
- Incident Response Unterstützung
- Umfassendes Schwachstellenmanagement
- Angriffssimulationen zur kontinuierlichen Validierung der Detection-Abdeckung
Diese Variante bietet maximale Transparenz, bestmögliche Reaktionsfähigkeit und höchste Compliance-Sicherheit.
Typische Nutzer: Unternehmen mit einer komplexen Risikolage, kritischer Infrastruktur, großen hybriden Umgebungen, hoher Automatisierungstiefe, international verzweigten Systemen oder hoher regulatorischer Last.
SOC-as-a-Service – wann Outtasking Sinn macht
Viele Unternehmen entscheiden sich für ein Managed SOC bzw. SOC as a Service. Der Grund: Ein effektives SOC benötigt lückenlose Überwachung, spezialisierte Analysten, gezieltes Reporting und kontinuierliche Weiterentwicklung – Aufwand, den mittelständische Teams selten allein stemmen können.
Ein SOC as a Service-Anbieter setzt eine SOC-Umgebung auf und übernimmt typischerweise zentrale Aufgaben der Sicherheitsüberwachung – von Monitoring und Triage, über Korrelation und Bewertung bis hin zur Incident Response und Threat Hunting. Ob ein Eigenbetrieb oder ein Managed SOC die bessere Wahl ist, richtet sich in der Regel nach den vorhandenen internen Ressourcen und dem verfügbaren Security-Know-how.
Wichtig: Ein Managed SOC bedeutet nicht Kontrollverlust. Entscheidend in dem Konzept sind klar definierte Verantwortlichkeiten und Prozesse: Der Dienstleister überwacht und bewertet sicherheitsrelevante Ereignisse, während interne Teams basierend auf abgestimmten RACI-Matrizen und Playbooks eingebunden werden – etwa bei Eskalationen oder Maßnahmen zur Ursachenbeseitigung. Vertraglich geregelt entsteht so ein arbeitsteiliges Modell, das Sicherheitsaufgaben verteilt, ohne die operative oder strategische Kontrolle aus der Hand zu geben.
Ein SOC sollte sich an Ihr Unternehmen anpassen – nicht umgekehrt.
Nicht jedes Unternehmen benötigt das „volle Programm“, aber jedes Unternehmen braucht ein passendes SOC-Niveau – unabhängig davon, ob es intern betrieben oder als Managed Service ausgelagert wird. Die Herausforderung besteht darin, die richtige Balance zu finden zwischen Grundversorgung, gezielter Erweiterung, vollintegrierter Absicherung und der Entscheidung, welche Aufgaben intern bleiben und welche ausgelagert werden können.
Gerade mittelständische Unternehmen stehen vor der Herausforderung, komplexe Anforderungen zu erfüllen und regulatorische Pflichten umzusetzen. Basis-Security reicht häufig nicht aus, während Premium-Lösungen oft überdimensioniert und teuer sind.
Das Ziel ist es, ein Sicherheitsniveau zu schaffen, das wirkungsvoll schützt, ohne die Organisation zu belasten.
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Best Practice Architektur für den Mittelstand
Wann Plattformen wie Microsoft, elastic & Rapid7 sinnvoll sind
Worauf Sie bei der Anbieterwahl achten sollten
Zu Teil 4:
Wie Sie den richtigen SOC-Anbieter auswählen – Kriterien und Warnsignale
Im nächsten Teil der Serie vertiefen wir, wie Unternehmen den richtigen SOC-Anbieter und das passende Service-Modell auswählen – inklusive Kriterienkatalog und typischen Stolpersteinen im Entscheidungsprozess.
Weiter mit Teil 4 ab dem 2. März 2026
